Wednesday, August 23, 2006

"shock options" / ausmaß größer wie bei enron

ich habe schon seit langer zeit keine hohe meinung von corp. america. bei den ganzen skandalen und der puren gier des managements auch keine wirkliche überraschung. der begriff "shareholdervalue" wird regelmäßig ad absurdum geführt. neuestes beispiel ist die methode der zurückdatierten aktienoptionen. ist vergleichbar als wenn man beim pferderennen seine wetten nach dem zieleinlauf platzieren darf. das lustige ist, das es im prinzip nicht einmal verboten ist.

dumm nur das einige den hals nicht voll genug bekommen konnten und die geschichten bilanztechnisch nicht richtig erfaßt worden sidn. gier frißt hirn!dazu bitte das hier lesenimmobilienblasen: realsatire von charles hugh smith!!

heute ein aktueller fall von einem meiner lieblingsshomebuilder kb homes

KB Home reviewing stock option grants to CEO:

KBH43.19, +0.17, +0.4%) is reviewing the stock option grants given to CEO Bruce Karatz, The Wall Street Journal reported Wednesday, citing a company spokeswoman. Outside counsel is helping the home builder with the probe, the spokeswoman told the newspaper. Karatz has received nearly $100 million from cashing out many unusually timed options, the report said, citing regulatory filings it's reviewed.

disclosure: bin short kbh


Shock-Options für US-Manager
von Heike Buchter (New York)


Apple, Barnes & Noble, Home Depot - die Liste der Firmen, die offenbar über Jahre hinweg Aktienoptionen für ihre Manager manipuliert haben, wird immer länger. Das Ausmaß des Falls übertrifft den Skandal um den zusammengebrochenen Energiehändler Enron.


Als die Strafverfolger zugreifen wollten, stießen sie nur noch auf zwei Komplizen. Der Hauptverdächtige - laut FBI-Fahndungsaufruf 54 Jahre alt, 1,77 Meter groß, grüne Augen - hatte 57 Mio. $ von seinen Konten geräumt und sich ins Ausland abgesetzt. Was klingt wie eine Episode der TV-Krimiserie "CSI", ist das jüngste Kapitel im US-Skandal um die Vergabe von Aktienoptionen.

Bevor Jacob Alexander, genannt Kobi, auf der "Wanted"-Liste von FBI und Interpol landete, war er Gründer und Vorstandsvorsitzender von Comverse. Das New Yorker Unternehmen entwickelt Kommunikationssoftware. Alexanders Vergehen: Er soll laut Staatsanwaltschaft gemeinsam mit dem ebenfalls angeklagten Finanzchef und dem Hausjustiziar über geheime Konten und manipulierte Aktienoptionen sich und anderen Comverse-Topmanagern Millionen illegal aus der Firmenkasse zugeschustert haben.

Investoren in den USA sind beunruhigt. Denn Comverse ist nur eines von vielen Unternehmen, bei denen die Vergabe von Optionen auf eigene Aktien manipuliert wurde - meist mit dem Effekt, dass Manager Millionen an Kursgewinnen kassiert haben. Bei mehr als 100 Unternehmen ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC. "Hier haben Leute bewusst Dokumente gefälscht und schlicht betrogen", sagt der ehemalige Oberaufseher Harvey Pitt. Die Steuerbehörde IRS hat 40 Unternehmen im Visier.

In San Francisco stellte Staatsanwalt Kevin Ryan inzwischen eine elfköpfige Spezialeinheit mit FBI-Fahndern auf die Beine, um bei verdächtigen Technologiefirmen im Silicon Valley aufzuräumen. Experten schätzen, dass es bis zu 2000 Unternehmen sind, bei denen es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Längst ist klar: Das Ausmaß der Bilanzmauscheleien übertrifft den Skandal um den vor fünf Jahren zusammengebrochenen Energiehändler Enron bei weitem.

Missbrauch verunsichert Märkte

Auch wenn sich die Summen, um die es geht, in der Regel wie Rundungsfehler in den Konzernbilanzen ausnehmen - der Vertrauensschaden ist immens. "Keine Frage, dieser Missbrauch verunsichert die Marktteilnehmer", warnt Ex-SEC-Boss Pitt. Die "Shock-Options", wie sie inzwischen an der Wall Street genannt werden, tauchen sogar bei renommierten Unternehmen auf: bei der weltgrößten Baumarktkette, Home Depot, beim PC-Sicherheitsspezialisten McAfee und beim Netzwerkanbieter Juniper Networks ebenso wie beim Computerspielehersteller Take-Two Interactive und beim Buchhändler Barnes & Noble

Besonders hart traf die Anleger der Sündenfall von Apple. Der Computerhersteller musste einräumen, seine Geschäftsergebnisse von 1997 bis 2001 neu berechnen zu müssen, möglicherweise alle Ergebnisse bis heute. Die Rede ist von einer Wertberichtigung um 25 Mio. $. Damit nicht genug: Prompt erhielt Apple ein Schreiben der Nasdaq. Die Technologiebörse droht, die Aktie vom Kurszettel zu streichen, weil Apple die jüngsten Quartalszahlen nicht fristgerecht vorlegen kann. Das Schicksal könnte ein halbes Dutzend Nasdaq-Werte ereilen, die alle blaue Briefe erhalten haben.

Der Kern der Vorwürfe: In vielen Fällen haben die Unternehmen die Ausgabedaten der Aktienoptionen zu Gunsten ihrer Manager manipuliert. Das Ganze funktioniert wie ein Kartenspielertrick, bei dem der Schummler vorher weiß, was am Ende herauskommt. Optionen geben ihrem Inhaber das Recht, Aktien zu einem bestimmten Preis zu kaufen.

Garantierte Kursgewinne

Üblicherweise handelt es sich dabei um den aktuellen Tageskurs. Die Skandal-Unternehmen wählten allerdings als Ausgabedatum einen Tag in der Vergangenheit, an dem die Aktie ein Kurstief verzeichnete. Die Führungskräfte hatten also einen garantierten Gewinn.

Das Rückdatieren allein ist noch nicht strafbar. Die Staatsanwaltschaft wirft den Managern jedoch vor, ihr Einkommen geschickt um etliche Millionen erhöht zu haben - und die hätten sie versteuern müssen. Überdies hätten die Unternehmen ihre Aktionäre über die Gehaltserhöhung informieren und diese als Vergütungskosten verbuchen müssen. Denn die Optionsgewinne der Manager schmälern den Unternehmensprofit und damit ihre Dividende.

Selbstbedienungsmentalität

Was nach und nach an die Öffentlichkeit dringt, kommt vielen wie Hohn vor. Aktienoptionen galten bislang als Allheilmittel im Interessenkonflikt zwischen Management und Eigentümern. Durch sie sollten die Unternehmenslenker auf die Steigerung des Aktienkurses eingeschworen werden. Je besser das Unternehmen an der Börse abschnitt, desto besser für Aktionär und Optionsinhaber.

Zugleich hat das Instrument, das Mitte der 90er Jahre in Mode kam, ungeahnte Möglichkeiten zur Selbstbedienung eröffnet. "Einige Manager haben die Optionen zweckentfremdet und zu ihrem eigenen Vorteil genutzt", sagt Don B. Lindner von Worldatwork, einem Interessenverband von Personalexperten.

Doch kaum ein Aktionär kann die komplexen Berechnungen zum Wert der Optionen nachvollziehen, Manipulationen sind leicht zu vertuschen. Aktienoptionen umzudatieren ist nur eine Variante von vielen. Eine andere ist das so genannte Springloading, bei dem die Führungskräfte ihre Aktienoptionen genau vor einer kursrelevanten Veränderung im Unternehmen ausüben und so satte Gewinne einstreichen.

Was die Anleger bestürzt: Auf die Spur der Trickser sind weder Wirtschaftsprüfer noch Aufsichtsräte oder Behörden gekommen. Erik Lie, Dozent an der University of Iowa, stieß durch Zufall auf die umstrittene Vergabepraxis. Bei einer Studie zur Rolle von Aktienoptionen bei der Bezahlung von Topmanagern untersuchte Lie Meldungen an die US-Börsenaufsicht SEC. Dabei fiel ihm auf, dass die Optionen überdurchschnittlich häufig vor einem Kursaufschwung vergeben wurden. "Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein. Es war ein so klares Muster, und es war derart weit verbreitet", sagt er. Gemeinsam mit seinem Kollegen Randall Heron untersuchte er Daten von fast allen 8000 Unternehmen, die der SEC die Vergabe von Aktienoptionen meldeten.

Die Debatte um mangelnde Kontrolle der Manager ist wieder voll entbrannt. Eigentlich ist es Aufgabe des Aufsichtsrats, den Vorstandschefs auf die Finger zu schauen. In vielen Fällen vernachlässigen die Mitglieder des Kontrollgremiums diese Pflicht, denn zumeist sind sie selbst CEO in einem anderen Unternehmen. "Warum sollten die ein Interesse an niedrigen Managergehältern haben?", fragt Daniel Pedrolty, Leiter der Investmentabteilung beim US-Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO.

Mangelhafte Kontrolle

So sitzt bei Home Depot, einem der Hauptakteure im Optionsskandal, Ken Langone im Aufsichtsrat. Langone war lange CEO bei der Baumarktkette und ist heute Chef einer Investmentgesellschaft. Bei dem ebenfalls unter Manipulationsverdacht stehenden Gesundheitsdienstleister United Health, dessen CEO William McGuire mit Optionen rund 1,8 Mrd. $ kassierte, haben auch die Aufsichtsräte nicht schlecht verdient.

Die zehn Board-Mitglieder hielten zuletzt Aktien im Wert von 230 Mio. $, allein Oberaufseher James Johnson verfügte nach einer SEC-Meldung vom März über 3,1 Millionen Aktienoptionen, die rund 175 Mio. $ wert sind. Sein Kollege Stephen Hemsley ist ein früher Partner von Arthur Andersen, jenem Unternehmen, das bis zu seiner Auflösung 2002 die Bilanzen von United Health geprüft hat. "Es macht keinen Sinn, wenn sich Manager gegenseitig kontrollieren", sagt Gewerkschafter Pedrolty.

Nachdem viele Investoren glaubten, durch gesetzliche Neuerungen wie den Sarbanes-Oxley Act würden Bilanzskandale der Vergangenheit angehören, ist das Erschrecken über das Ausmaß des Skandals umso größer. "Das ist ein Symptom für ein viel größeres Problem," sagt Rakesh Khurana, Experte für Organisationslehre an der Harvard University. "Geldgier, Kurzsichtigkeit und der Wille, sich an so etwas zu beteiligen, werfen die Frage auf, was diese Leute noch alles vor ihren Aktionären verbergen."


frage mich bloß wenn dieser skandal die märkte "angeblich" so geschockt hat warum der dow lediglich 4% von einem neuen allzeithoch entfernt sind. sp500 ebenfalls nahe eines 52wochenhochs. es lebe amerika.

gruß
jan-martin

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