Friday, September 29, 2006

Die US-Dividendenhoffnungen sind kühn

Die US-Dividendenhoffnungen sind kühn (www.ftd.de)
Studie der Aktienstrategen von Goldman Sachs

Sie gehen davon aus, dass die Dividende je Aktie im S&P 500, die zwischen 1992 und 2005 von 12,38 auf 22,22 $ gestiegen ist, zwischen 2006 und 2016 von 24,69 auf 55,01 $ zulegen wird.

Der durchschnittliche Zuwachs würde also von 4,6 Prozent auf gut 8,3 Prozent hochschnellen.
Vordergründig scheint das angesichts der niedrigen derzeitigen Ausschüttungsquote von rund 30 Prozent locker drin zu sein. Aber nach den Projektionen von Goldman würde die Ausschüttungsquote selbst 2015 gerade mal auf 32,5 Prozent zunehmen. Der Kniff ist, dass der US-Broker bis 2008 überdurchschnittliche, ab 2009 durchschnittliche Gewinnzuwächse je Aktie erwartet.

Und jetzt kommt es. Als durchschnittliches Gewinnwachstum je Aktie definiert Goldman den mittleren Zuwachs im S&P seit 1943. Und der beträgt 6,7 Prozent - nominal. Allerdings sind die Konsumentenpreise seit 1947 (bis dahin reicht der aktuelle Preisindex zurück) im Mittel um 3,85 Prozent gestiegen. Eine derartig hohe Geldentwertung wollen wir uns für die Zukunft doch lieber nicht erhoffen. Real, also nach Abzug der Inflation, hat der Gewinn je Aktie demnach im Durchschnitt gerade mal um knapp 2,9 Prozent zugelegt. Die gegenwärtigen langfristigen Inflationserwartungen von rund 2,35 Prozent hinzuaddiert, ergäbe sich ein nominales Trendgewinnwachstum von gut 5,2 Prozent. Damit kalkuliert, errechnete sich bei der von Goldman unterstellten Dividendenprojektion für 2016 schon eine GAAP-Ausschüttungsquote von fast zwei Fünfteln.

Aber das ist nicht alles. Laut Goldman Sachs werden die Firmen im S&P 500 heuer nicht nur 220 Mrd. $ für Dividenden ausgeben, sondern auch 410 Mrd. $ für Aktienrückkäufe. An der Konsensgewinnerwartung gemessen entspricht die Gesamtausschüttung damit 86 Prozent des GAAP-Gewinns. Bei einer Thesaurierungsquote von nur einem Siebtel müssten die Firmen im Schnitt eine Eigenkapitalrendite von 47 Prozent erwirtschaften, um den Gewinn nachhaltig um 6,7 Prozent steigern zu können. Tatsächlich wird laut Credit Suisse für 2006 eine mittlere Eigenkapitalrendite von 18,6 Prozent erwartet. Natürlich könnten die Firmen die Aktienrückkäufe drosseln, um Geld für Investitionen frei zu machen. Aber angesichts des freigiebigen Umgangs mit Mitarbeiteroptionen würde sich das vermutlich schnell negativ auf den Aktienumlauf auswirken.

Dass die Gewinne im S&P 500, wie Goldman andeutet, schneller steigen können als das nominale BIP, weil schwache Firmen dauernd durch starke ersetzt werden, ist übrigens auch nicht gesagt. Zwischen 1943 und 2005 hat das nominale US-BIP im Schnitt um 6,9 Prozent zugelegt. Laut BIP-Abgrenzung sind die Gewinne gar um 7,4 Prozent gewachsen. Die Gewinnquote stieg eben von 5,5 auf 7,5 Prozent.


PS: Aktuell liegt die Gewinnquote bei 8,5 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 1929.

jan-martin



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